Interkultureller Dialog im Tandem

 

Norbert Schütz, Flensburg

 

Im Zentrum des DAAD- geförderten Projektvorhabens1 steht die interkulturelle Praxis einer textilen Oberflächengestaltung mit ihren ornamentalen und symbolischen Darstellungen, d.h. Recherche, Sammlung und Deutung von islamisch tradierten Symbolen und Ornamenten in der aktuellen textilen Praxis und deren Neuinterpretation durch Studierende. 

Beteiligt sind die Universität Flensburg, Institut für Ästhetisch-Kulturelle Bildung, Abt. Textil+Mode und die Mimar- Sinan- Universität Istanbul, Department ‚Fashion and Textile’. Jährlich wechselnd wird mit Kooperativen und Stiftungen eine Zusammenarbeit vereinbart, die im arabischen Raum tätig sind und die die textile Praxis insbesondere von Frauen fördern.  

Kleine Zusammenschlüsse von Frauen, informelle Kooperationen, aber auch institutionalisierte Gruppen und Stiftungen in der islamischen Welt widmen sich weiterhin der textilen Handarbeit und verfolgen dabei insbesondere ökonomische und gesellschaftliche Zielsetzungen. Abseits der industriellen Produktivität werden manuell Produkte geschaffen, die der sozialen und personalen Identität dieser Frauen dienen. Das Produkt selbst und seine Oberfläche bieten dabei den Raum, um Botschaften zu platzieren und Kommunikation - intra- wie interpersonal - zu vollführen. 

Studierende beider Universitäten mit Unterstützung ihrer Dozenten recherchieren diese Botschaften, entwerfen und analysieren gemeinsam an den Orten der Kooperativen und Stiftungen die textile Praxis der dortigen Frauen:

o  Sie recherchieren die Ornamentik und Symbolik der dortigen textilen Gestaltungen und erkunden die tradierten und persönlichen Bedeutungszuschreibungen.

o  Sie entwerfen auf der Grundlage einer transkulturellen Didaktik und auf der Basis der vorgefundenen Oberflächenmuster neue Varianten insbesondere mit persönlichen Verweisen, die einerseits mit den textilschaffenden Frauen vor Ort besprochen werden und andererseits den interkulturellen Dialog mit den Kommilitoninnen auf materialer wie verbaler Ebene vertiefen.

o   Sie analysieren mit Blick auf die Zielsetzungen einer sozialen Nachhaltigkeit die ökonomischen und ökologischen Variablen, um durch einen Vergleich der Kooperativen Hinweise auf eine Optimierung des sogenannten ‚innovativen Wertschöpfungsprozesses’ geben zu können und um weitere Initiativen dieser Art fördern zu können.

Die Arbeit an und mit den tradierten Symbolen und Ornamenten ist eingebunden in interkulturelle Dialogformen. Organisatorisch leitend werden dafür sogenannte Tandems gebildet  -  Paare aus jeweils einem deutschen und einem türkischen Studierenden, die vor Ort aber auch räumlich voneinander getrennt, an ihren jeweiligen Studienstandorten, in der textilen Praxis vom Entwurf über seine Anwendung in einer Produktidee bis zur Ausführung eines Prototypen via Internetplattform kooperieren und sich bei Bedarf zu komplexeren Einheiten zusammenschließen. Die Tandems bilden dabei das 'Herzstück' des interkulturellen Dialogs und werden in Workshops und spezifischen Feldstudien zu kleineren Einheiten bzw. Kleingruppen zusammengeschlossen und von jeweils einem Dozenten fachlich und interkulturell betreut. Ein Wechsel in den Sozialformen von Tandem- und Kleingruppenarbeit, Austausch im Plenum, Beobachtung von und Gespräch mit ortsansässigen Praktikerinnen, Diskussion vor Ausstellungsobjekten gewährleisten vielfältige interkulturelle Dialogformen, die den Kulturdialog zwischen Personen einerseits und mit Blick auf dessen materialisierte Botschaften andererseits weiterentwickeln.

Eine erste Station mit Workshop und Feldstudien fand im Oktober 2012 in Kastamonu (türkische Schwarzmeer-Region) statt. In einem Interview mit der Tageszeitung 'Bagimsiz Günlük Gazet KASTAMONU' erörtert Prof. Alpan (Dekan der Mimar-Sinan-Univ.) das Projektvorhaben mit Blick auf diese erste Station.

Die zweite Station mit Feldstudien und Objektpräsentationen findet 2013 in Marrakesch, Marokko statt.

Weitere Stationen sind in Planung. Über dieses Projektvorhaben wird fortlaufend berichtet.

1 "Sustainability in textile practice:
    Intercultural dialogue with traditional symbols in contemporary desgn"
    finanziert aus Mitteln des Auswärtigen Amtes (AA)