Ich und die Anderen

Lady und Lord Gaga

 
Elisabeth Eichelberger, Pädagogische Hochschule Bern

 

Im Entwicklungsprojekt "Die soziale und kulturelle Bedeutung von Bekleidung für Jugendliche" an der Pädagogischen Hochschule Bern erarbeiten Forschende aus der universitären Lehrerbildung gemeinsam mit Lehrpersonen aus der Schulpraxis Anregungen und Vorschläge für den Unterricht und die textile Fachdidaktik. Auf der Basis von Theorien zu bestehenden Fachdidaktikmodellen sowie aktueller Ansätze aus Fachwissenschaft entwickeln und erproben die am Projekt beteiligten Praxislehrpersonen verschiedene Unterrichtseinheiten in ihren Klassen. Der Unterricht wird während der Umsetzung mittels Befragungen und Beobachtungen der Schülerinnen und Schüler begleitet und anschliessend ausgewertet.

 

In diesem Prozess des Transfers der Theorie in die Praxis sind verschiedene Akteurinnen und Akteure beteiligt: Die Praxislehrpersonen der Sekundarstufe 1, deren Schülerinnen und Schüler, Studierende sowie die Dozentin für Fachwissenschaft und Fachdidaktik der PHBern und eine wissenschaftliche Mitarbeiterin, die auch an der Universität Oldenburg in Lehre und Forschung tätig ist.

Inhaltlich-thematisch wird für die Fachentwicklung die Forderung aufgenommen, Lebenswirklichkeiten der Jugendlichen mit gesellschaftskritischen Fragen zu konfrontieren: Bekleidung hat für Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe 1 kulturelle und soziale Bedeutung. Jugendliche werden im Textilunterricht als Akteurinnen und Akteure ihrer Lebenswelten angesprochen.

 

Unter der Thematik „Ich und die Anderen“ entstehen aktuell unterschiedliche Unterrichtseinheiten mit dem Ziel, das Fremde als etwas zu thematisieren, das immer auch schon Teil des Eigenen und damit stets gegenwärtig ist. Beispiele aus der Kulturgeschichte der Bekleidung sollen aufzeigen, dass die Kleider schon lange im Austausch von Kulturen stehen und den Gesetzen der Globalisierung (Bsp. Seidenstrasse) unterworfen sind. Etliche Kleiderformen, welche vermeintlich bei uns geprägt wurden, stammen ursprünglich aus anderen Kontinenten (Bsp. Hose) und andere Kleiderteile waren früher in unserer Kultur bedeutsamer (Bsp. Kopftuch).

Einerseits sollen Lektionen von Wissensvermittlung eingeplant werden, anderseits sollen die Lernenden ein Projekt mit gestalterischen Anteilen durchführen. Die beiden Zugänge (begriffliches und textilpraktisches Erschliessen) sollen sehr gut verzahnt werden und bei den Lernenden als Einheit ankommen. Während die kulturgeschichtlichen Hintergründe Inputs für das Verständnis der Gewordenheit sind, soll im textilpraktischen Teil auf das Heute und Jetzt der Jugendlichen Bezug genommen werden.

Schliesslich muss eine öffentliche Aktion (Elternabend, Schulfest usw.) geplant und durchgeführt werden, wobei sich die Gäste interaktiv mit textilspezifischem Wissen auseinandersetzen können. Zum jetzigen Zeitpunkt (Sommer 2011) können noch keine Ergebnisse aus dem Projekt präsentiert werden, da die Sichtung und Auswertung der Materialien nicht abgeschlossen ist.

Aus diesem Grund wird zur Veranschaulichung der dem Projekt zugrunde liegenden Forderungen und Ansätze eine Unterrichtseinheit herangezogen, die nicht unmittelbar im Rahmen des Projektes entstanden ist. Zwei am Projekt mitarbeitende Lehrerinnen haben diese Unterrichtseinheit entwickelt und ausserhalb der eigentlichen Projektmitarbeit durchgeführt. Das Thema lautet „Lady und Lord Gaga“ und ist in einer 8.Klasse umgesetzt worden.

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