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„Ver-rückt & gezippt“

Kinder erfinden & spielen interaktiv textile Bildergeschichten

 

Anne-Marie Grundmeier & Eve Zeyher-Plötz, PH Freiburg

 

Das klassische Bilderbuchangebot bezieht bereits seit geraumer Zeit Sinneselemente für Kleinstkinder ein beispielsweise in Form von textilen Fühlelementen, Faltbüchern, die sie entdecken und in einfachster Form bedienen können wie z. B. rasselnde oder quietschende Elemente. Es fehlt jedoch bei den Bildergeschichten ein anregendes, textiles Marktangebot für Vorschul- und Grundschulkinder zum Entdecken, Erforschen und Tätigwerden.

Das Textilprojekt wurde in der Fachrichtung Mode & Textil für Lehramtsstudierende und Studierende der Kindheitspädagogik studiengangsübergreifend durchgeführt. Das Ziel bestand darin, vielfältiges visuell und haptisch ansprechendes sowie bewegliches Gestaltungsmaterial mit Textilien zu gestalten, um bei Kindern eine enge Verbindung zwischen Hand und Kopf durch Wahrnehmungsreize, Agieren mit den Händen und ein Nachdenken über die erzählten Geschichten zu erzeugen. Es wurden Märchen und Kinderbücher wie der Ritter Rost, aber auch erfundene Geschichten textilgestalterisch umgesetzt.

Die Aufgabe der Studierenden bestand darin, bewegliche, transportable Spielelemente und diverse Untergründe mit austauschbaren Objekten zu kreieren, welche die Kinder zum handlungsorientierten Spielen und Erzählen motivieren. Deren eigene Geschichte entsteht situativ und spontan auf einer oder mehreren Untergründen aus Wollwalkfilz. Gestalterische Mittel sind z. B. bewegliche und anzuheftende Motivteile, Klett- und Reißverschlüsse, Druckknöpfe, Haken und Ösen, Taschen, Beutel, Höhlen, Schlitze, wechselbare Kleidung für Spielfiguren, austauschbare Elemente, etc. Die Elemente werden in transportablen Säckchen aufbewahrt.

In der Ausstellung der Bildergeschichten wurden Kinder ab drei bis acht Jahren dazu angeregt, ihre eigenen Geschichten über haptische, optische, kinästhetische und andere Wahrnehmungsreize von überwiegend textilen, austauschbaren Elementen und transportablen Hintergründen in einem offenen Rahmen zu erfinden und bildnerisch zu erzählen. Sie dürfen diese Elemente aktiv und interaktiv, allein oder auch im Rollenspiel in einer nicht üblichen, das heißt nicht gebundenen Buchform bewegen und einsetzen. Zudem werden sie dazu motiviert, ihre spielerischen Handlungen zu versprachlichen, mit diesem Tun Werte einzuüben und Konflikte sowie Ängste zu überwinden. Die 4. Klasse der Schauinsland Grundschule in Freiburg-Kappel beteiligte sich an der textilen Bilderbuchgestaltung mit dem Thema Mittelalter und gestaltete dazu eigene textile Tableaus mit beweglichen Spielelementen.

Das Projekt zielt auf einen sinnvollen Übergang vom Kindergarten zur Grundschule, indem auf die Kompetenzfelder des Fächerverbunds Mensch, Natur und Kultur im baden-württembergischen Bildungsplan für die Klassenstufen 1 und 2 der Grundschule (textil-)gestaltend Bezug genommen wird wie beispielsweise „Wer bin ich - Was kann ich“, „Ich – Du – Wir“, „Raum und Zeit“ (Ministerium für Kultus, Jugend und Sport 2004, S. 95-103).

Mit vielfältigen haptischen, optischen und beweglichen Gestaltungsmitteln und unter Einsatz von textilen und weiteren Sinnesmaterialien wird beim Kind die enge Verbindung zwischen Hand und Kopf durch Wahrnehmung, Agieren und Nachdenken intensiviert. Die Bestimmung von Inhalt und Ende einer Geschichte(n) dient zudem der Einübung von sozialem und auch genderbewusstem Verhalten. Bewusst wurde darauf geachtet, übliche Rollenklischees (z.B. starker Junge; ängstliches, hilfesuchendes Mädchen, etc.) in Frage zu stellen. So gibt es in den angebotenen Geschichten mutige Heldinnen und Befreierinnen. Eine Begleitung der Kinder soll durch gemeinsame Gespräche über inhaltliche Lösungsmöglichkeiten der gewählten Thematik, z. B. für das Ende der Geschichte, erfolgen.

Bei der Vernissage in der Buchhandlung der Rainhofscheune in Kirchzarten führten nach einer inhaltlichen Einführung in die Ausstellung der Freiburger Figurenspieler Gregor Schwank und Studierende mit Hand- und Stabfiguren in die Möglichkeiten des Figurenspiels ein. Die Medienpädagogin Dorit Jöhle-Gutmacher und die Projektleiterin Eve Zeyher-Plötz präsentierten einen mit Spielelementen und Platten gestalteten Trickfilm und zeigten damit weitere pädagogische Möglichkeiten des Einsatzes der Figuren in der Schule auf.

An die Vernissage schloss sich die Bilderbuchausstellung an mit der Möglichkeit, dass sich Kindergruppen die textilen Bilderbücher mit ihren beweglichen Elementen interaktiv erschließen konnten. Das Angebot wurde von Kinderhort-, Kindergarten- und Grundschulkindergruppen aus umliegenden Einrichtungen intensiv wahrgenommen. Die Gruppenbesuche wurden durch Studierende begleitet.

Literatur

Ministerium für Kultus, Jugend und Sport (Hrsg.) (2004): Bildungsplan 2004 Grundschule. Stuttgart 2004. Online verfügbar unter www.bildung-staerkt-menschen.de/service/downloads/Bildungsplaene/Grundschule/Grundschule_Bildungsplan_Gesamt.pdf (Zugriff am 20.11.2014).

Zeyher-Plötz, E.-M. (2014): „Ver-rückt & gezippt“. Kinder erfinden, spielen und erzählen textile Bilderbuchgeschichten. In: ph fr. Zeitschrift der pädagogischen Hochschule Freiburg. 2014/2, S. 76-77.

Fotos: Eve Zeyher-Plötz