50 Jahre PH Freiburg - Eine modische Zeitreise

 

Anne-Marie Grundmeier, Dorit Köhler & Eve Zeyher-Plötz, Freiburg

 

Das Modeprojekt „Modische Zeitreise“ wurde anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Pädagogischen Hochschule Freiburg initiiert. Es stellt eine Interpretation vergangener Moden im Retrodesign dar, angefangen von den 60-er Jahren bis heute. Über drei Semester haben die Textildozentinnen Dr. Dorit Köhler und Eve Zeyher-Plötz in Kooperation mit der Freiburger Modedesignerin Margarete Lipphardt-Hu in mehreren Praxisseminaren die Studierenden angeleitet, Kleidobjekte in Anlehnung an die Modeströme der vergangenen Jahrzehnte zu designen.

Entstanden sind über 100 freie Kleidobjekt-Interpretationen, in welche auch Vintage-Objekte integriert sind wie Schmuck, Schuhe und andere Accessoires. Aktuelle Highlights sind Neuinterpretationen der badischen Tracht und – anlässlich der Fußballeuropameisterschaft 2012 – Fanoutfits sowie LED-Kleider. Damit lehnen sich die Objekte teils an modische Strömungen der vergangenen Jahrzehnte an, teils greifen sie aktuelle Modetrends auf. Die Studierenden fanden sich zu Themengruppen zusammen, die sie gemeinsam kreierten, fertigten und auch präsentierten. Die Vorgehensweise entsprach dem an der Pädagogischen Hochschule Freiburg entwickelten Didaktikkonzept Fashion2Show:

Zunächst wurden den Studierenden die Zeitgeistströme näher gebracht, sie selbst entwickelten bei diesem Projekt sehr zügig ihre eigenen Ideen. Dabei gingen sie auf die Suche nach Vintage-Objekten, die sie in abgewandelter Form neu auferstehen ließen oder als Teil ihres Outfits in die Gesamterscheinung integrierten. Sie lernten nicht nur, Kleidobjekte zu fertigen und zu gestalten, sondern auch das Gesamtoutfit inklusive Schuhen und Accessoires bis hin zu Frisuren und Make-up zeittypisch aufeinander abzustimmen.

Es zeigt sich, dass bei allen Projekten der ästhetischen Praxis die Entstehung von Mode eine besondere Herausforderung darstellt, da es eine dreidimensionale textile Hülle zu kreieren gilt, die Passformkriterien erfüllen muss. Die Studierenden konnten die Kleidobjekte für sich selbst entwerfen, was auch die Auseinandersetzung mit den eigenen Maßen im Abgleich zu den Maßen der Schnittsysteme mit sich bringt. Die individuelle Schnittgestaltung als Abänderung von Schnittmustern vergangener Jahrzehnte stellte eine besondere Herausforderung dar, da sich die Körperkernmaße der Schnitte verändert haben. Ein Schnittmuster der sechziger Jahre hat noch einen anderen Figurtyp als Zielgruppe, als es die heutigen Studierenden darstellen. Die Schnitte der Schnittmusterzeitschriften fallen – im Abstand von mehreren Jahrzehnten zu heute – in der Regel zu klein aus.

Teilweise konnten Originalstoffe der vergangenen Jahrzehnte verwendet werden, teilweise wurden aktuelle Textilmaterialien eingesetzt, deren Musterungen und Farbgebung eindeutig an die Zeit erinnern, also diese im Retrodesign neu interpretieren.

Bei den aktuellen Modeerscheinungen fand eine Beschränkung auf drei aktuelle Modeströmungen statt, um größere Gruppen mit diesen Outfits betreuen zu können:

Dies war zum einen das Thema Schwarzwaldtracht, das derzeit bei vielen Modenschauen, aber auch im modischen Alltag eine wesentliche Rolle spielt. Die badische Tracht mit Bollenhut - eigentlich die Gutacher Tracht – wurde von den Studierenden frei interpretiert und führte sie vom selbst gemachten Bollenhut zum Tortenstück und zur Schwarzwaldente als Haarkreationen.

Bei den Fanoutfits ging es vor allem darum, die Körpergestaltungsbewegung anlässlich von Europa- und Weltmeisterschaften, die seit 2006 von den Menschen aufgegriffen worden ist, weiter zu führen. Es wurden Fußball- und Fahnenkleider in den Deutschland- aber auch anderen Nationalfarben kreiert.

Die LED-Kleidobjekte als ein Bereich von Smart Textiles zeigen Möglichkeiten der Verbindung von Textil und LED-Technologie als dekoratives Element der Outfits. Die LEDs wurden sowohl in die Kleider wie auch in die Accessoires integriert und ihre effektvolle Wirkung bei weitgehend abgedunkelter Beleuchtung gezeigt.

Die Studierenden führten ihre Kreationen selbst auf einem Laufsteg von 30 Meter Länge vor, worauf sie durch ein Laufstegtraining vorbereitet wurden. Die Choreographie der Modenschau gestaltete die Modedesignerin und Lehramtsstudentin Daniela Senske. Die Frisuren wurden in Kooperation mit der Freiburger Friseurakademie und dem Friseursalon Haar Art in Staufen kreiert und von einigen Studierenden auch in Eigenverantwortung gestaltet. Die professionelle Ausstattung des Veranstaltungsraumes mit Licht- und Tontechnik wirkte sich auf die Studierenden als sehr animierend aus, sich bei der Modenschau entsprechend professionell zu präsentieren.

Den Rahmen für die Modenschau bildet ein Vintage-Ball im E-Werk, einem Freiburger Kulturzentrum. Das Vintage-Motto sollte die Ballbesucher anregen, in Originalkleidung der vergangenen Jahrzehnte oder im Retrodesign gekleidet zu kommen. Auf diese Weise waren die Modelle der Modenschau und die Kleidung der Ballbesucher thematisch aufeinander abgestimmt.

 

 

Fotos: Nasser Parvizi