'Berühr'- Museum

Begeisterung über abgebrauchte Objekte im Kulturgeschichtlichen Museum Osnabrück

Bärbel Schmidt, Osnabrück

 

Spricht man im öffentlichen Raum oder unter Kulturpolitkern über Reformen des Museums, so kann man immer wieder das Argument hören, dass es dem Redenden auf die Nerven ginge, dass man die Objekte nicht berühren dürfe. Dabei ist dieses für das Museum scheinbar so typische Verbot direkt verständlich, denn wo blieben die Krönungsjuwelen der Königin von England und die Krone Karls des Großen, wenn jeder sie anfassen dürfte. Neue Wege einer direkten Annäherung an Objekte sind über Nachbildungen versucht worden oder über mediale Interventionen, bei denen man etwa Bücher mittels eines Touchscreen blättern kann.

Die Studierenden des Fachgebietes Textiles Gestalten der Universität Osnabrück haben einen ganz anderen Weg für das „Berühr-Museum" gefunden. Sie haben den Besuchern Materialien an die Hand gegeben, mit denen sie einer Aufgabenstellung aus der Stadtgeschichte oder der Mitbestimmung der Bürger verbunden haben. So haben sie Anziehpuppen entwickelt, denen man historische Kleider „antackern“ konnte. Von dem Rad des Osnabrücker Wappens hingen in einer anderen Abteilung Streifen, an denen die Bürger und Bürgerinnen ihrem Willen Ausdruck verleihen konnten, was ihnen an Osnabrück gefällt. Die Studentinnen und Studenten griffen ebenfalls auf ein altes, aber beliebtes Spiel zurück: die Besucher und Besucherinnen konnten Figuren mit historischen Kleidern ihr Gesicht geben und sich so fotografieren. Eine Stoffpyramide, die die städtische Hierarchie abbildete, erlaubte das Berühren der kostbaren und ärmlichen Textilien, aus denen die Kleider in der Vergangenheit gefertigt worden sind. Die Enge der Altstadt mit ihren Hausnamen und -zeichen bildete eine vom Publikum begeistert angenommene Installation ab, bei der sich die Besucher und Besucherinnen durch herabhängende Stoffstreifen ihren Weg bahnen mussten.

Die Studierenden des Fachgebietes Textiles Gestalten entwickelten deswegen so erfolgreiche Beiträge für die Ausstellung 500 Jahre Osnabrücker Rathaus, weil sie Lehrerinnen und Lehrer werden wollen. Deswegen umfasst die Ausbildung neben der Kulturgeschichte auch die textile und die didaktische Praxis. Alles drei konnten sie in ihren Beiträgen einbringen.